29 June 2026, 18:56

50. Klagenfurter Literatur-Tage: Prekariat, Preise und eine mutige Abrechnung

In Frontal Opposition zu Allem

50. Klagenfurter Literatur-Tage: Prekariat, Preise und eine mutige Abrechnung

Die 50. Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt: Mutige Statements und bemerkenswerte Preisträger

Bei den 50. Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt gab es kühne Aussagen und bedeutende Auszeichnungen. Wirtschaftliche Themen und Prekariat prägten die Debatten, wobei Autor:innen und Juror:innen gleichermaßen die finanziellen Nöte der Literaturszene ansprachen. Gleichzeitig wurden herausragende Texte und ihre Schöpfer:innen gefeiert.

Besondere Aufmerksamkeit erregte Slata Roschal mit ihrer Lesung, die das Thema Prekariat nur kurz streifte, bevor sie sich auf die literarische Institution selbst konzentrierte. Scharf kritisierte sie schlecht bezahlte Stipendien und die mageren Einnahmen, mit denen Schriftsteller:innen konfrontiert sind. Nach ihrem Auftritt kündigte sie an, die Bühne sofort zu verlassen, und weigerte sich, mit der Jury in Dialog zu treten.

Die ausschließlich aus sieben Frauen bestehende Jury nahm die wirtschaftlichen Sorgen auf, die während des Festivals geäußert wurden. Ihre Kommentare spiegelten die finanziellen Belastungen wider, unter denen viele Autor:innen leiden.

Saskia Schaette ging als doppelte Gewinnerin hervor: Sie erhielt den mit 30.000 Euro dotierten Hauptpreis sowie den Publikumspreis für ihren Text Was wir tragen. Die Geschichte handelt von zwei übergewichtigen Schülerinnen, die ihre Unsichtbarkeit annehmen. Auch Kinga Tóth wurde ausgezeichnet – sie gewann den KELAG-Preis für ihre Darstellung eines „Ostblock-Mädchens“ und die täglichen Demütigungen, die sie erleidet.

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Das Festivalthema der Bewertung beschränkte sich nicht auf die Literatur. Bezüge gab es zu Ingeborg Bachmanns Hörspiel Der gute Gott von Manhattan, in dem der Allmächtige selbst auf der Anklagebank sitzt – und trotz der Vorwürfe nach einer wahrheitsgemäßen Aussage freigesprochen wird.

Schaettes Triumph und Roschals mutige Kritik unterstrichen die Mischung aus Feier und Konfrontation, die das Festival prägte. Die 50. Ausgabe hinterließ deutliche Spuren, wobei finanzielle Realitäten und literarische Spitzenleistungen im Mittelpunkt standen. Die rein weibliche Juryzusammensetzung und ihre Auseinandersetzung mit wirtschaftlichen Fragen verleihen der Veranstaltung zusätzliche Bedeutung.

Quelle