Ambulante Versorgung bricht weg: Warum Krankenhäuser Schrittmacher-Patienten im Stich lassen
Alida ZänkerAmbulante Versorgung bricht weg: Warum Krankenhäuser Schrittmacher-Patienten im Stich lassen
Ambulante Versorgung in deutschen Krankenhäusern steht vor wachsenden Herausforderungen
Die ambulante Behandlung in deutschen Krankenhäusern sieht sich zunehmend mit strengen Vorschriften und Finanzierungslücken konfrontiert. Ein aktueller Fall im Krankenhaus Sigmaringen verdeutlicht die Problematik: Nach dem Weggang eines leitenden Kardiologen wird der dortige Service für Schrittmacher- und Defibrillator-Patienten eingestellt. Die Schließung spiegelt die generellen Schwierigkeiten wider, Kosteneffizienz und Patientenbedürfnisse in Einklang zu bringen.
Bisher hatte Jan Prillinger, Kardiologe am Krankenhaus Sigmaringen, die ambulante Betreuung von Schrittmacher- und Defibrillator-Patienten geleitet. Ab dem 1. Oktober wechselt er jedoch in die Gemeinschaftspraxis Hanfertal – zurück bleibt eine Klinik ohne Facharzt, der den Service aufrechterhalten könnte. Laut Angaben der Verantwortlichen ist eine Wiedereröffnung der ambulanten Versorgung unwahrscheinlich.
In Deutschland dürfen Krankenhäuser ambulante Leistungen nur in Ausnahmefällen erbringen, wofür eine Sondergenehmigung des Zulassungsausschusses erforderlich ist. Solche Genehmigungen werden häufig an einzelne Ärzte und nicht an die Klinik selbst vergeben, insbesondere bei komplexen Eingriffen oder Geräten, die in Standardpraxen nicht verfügbar sind. Fehlt ein zugelassener Mediziner, hat dies bereits Konsequenzen: So musste das gleiche Krankenhaus im Februar seine onkologischen ambulanten Behandlungen einstellen – mit direkten Auswirkungen auf gesetzlich versicherte Krebspatienten.
Die Trennung von ambulantem und stationärem Bereich soll zwar die Kosteneffizienz steigern, erfordert jedoch Investitionen, die bisher nicht gesichert sind. Krankenhäuser argumentieren, dass die ambulante Versorgung weniger lukrativ sei, da sie ähnliche Fixkosten für Räume, Personal und Material verursache wie die stationäre Behandlung. Dennoch rechnet die SRH-Klinikengruppe mit einem Anstieg ambulanter Behandlungen – ganz im Sinne der Gesundheitspolitik, die systemweite Ausgaben senken will.
Die Schließung des Schrittmacher-Service in Sigmaringen unterstreicht die Hürden, vor denen Krankenhäuser bei der Aufrechterhaltung ambulanter Angebote unter den aktuellen Rahmenbedingungen stehen. Ohne zusätzliche Finanzmittel oder klarere Genehmigungsverfahren könnten ähnliche Engpässe auch anderswo auftreten. Bis auf Weiteres müssen betroffene Patienten auf Alternativen in Privatpraxen oder anderen zugelassenen Einrichtungen ausweichen.






