07 April 2026, 08:31

Apothekenreform in der Kritik: Politiker warnen vor Schließungswelle und Bürokratie

Plakat mit Text, der besagt, dass Big Pharma 2022 Amerikaner zwei bis drei Mal so viel für dieselben Medikamente berechnet hat wie in anderen Ländern, begleitet von Flaschen und einer Spritze.

Apothekenreform in der Kritik: Politiker warnen vor Schließungswelle und Bürokratie

Politiker und Vertreter der Apothekerbranche wehren sich gegen die geplanten Apothekenreformen in Deutschland. Sie kritisieren, dass die aktuellen Pläne die finanziellen Schwierigkeiten der Apotheken nicht ausreichend berücksichtigen und die lokale Arzneimittelversorgung gefährden könnten. Prominente Stimmen wie der gesundheitspolitische Sprecher der CSU, Bernhard Seidenath, und die Apothekerin Carolina Trautner warnen vor übermäßiger Bürokratie und ungleicher Konkurrenz durch Online-Apotheken.

Ein zentraler Kritikpunkt ist die fehlende Anpassung der Festbeträge: Die geplante Erhöhung auf 9,50 Euro pro Rezept fehlt im Reformpaket. Seidenath betont, dass diese Anpassung entscheidend sei, um die Existenz der Apotheken zu sichern und eine zuverlässige Arzneimittelversorgung zu gewährleisten. Ohne diese Maßnahme drohten viele lokale Apotheken zu schließen, was ganze Gemeinden ohne einfachen Zugang zu lebenswichtigen Medikamenten zurücklassen würde.

Carolina Trautner, Mitglied im Gesundheitsausschuss Bayerns, unterstützt diese Bedenken. Sie weist darauf hin, dass wirtschaftlicher Druck und übermäßige Regulierung die Arzneimittelverteilung bereits jetzt belasten. Beide Politiker lehnen zudem Vorschläge ab, die es Pharmazeutisch-technischen Assistenten ermöglichen sollen, Apotheken eigenständig zu führen – dies könnte ihrer Meinung nach die Qualitätsstandards senken.

Seidenath fordert strengere Regeln für Online-Apotheken, darunter ein Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Medikamenten – eine Regelung, die in mehreren EU-Ländern bereits gilt. Er lehnt es ab, stationäre Apotheken und Online-Händler unterschiedlich zu behandeln, und verlangt einheitliche Vertriebsregeln für alle.

Bernd Stocker, Regionalverkaufsleiter beim Pharmagroßhändler Noweda, ergänzt, dass die finanzielle Belastung viele junge Apotheker davon abhalte, bestehende Apotheken zu übernehmen. Ohne Kurskorrekturen prognostiziert er weitere Schließungen, was die lokale Gesundheitsversorgung weiter einschränken würde.

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Im Mittelpunkt der Debatte steht die Frage, wie Apotheken angesichts wachsender Konkurrenz und wirtschaftlicher Herausforderungen überlebensfähig bleiben können. Politiker und Branchenvertreter sind sich einig: Ohne eine Gebührenerhöhung und fairere Regelungen könnte der lokale Zugang zu Medikamenten weiter abnehmen. Sie fordern die Gesetzgeber nun auf, die Reform vor ihrem Inkrafttreten grundlegend zu überarbeiten.

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