Baden-Württemberg testet smarte Stromnetz-Entlastung durch Haushalte
Franziska MentzelBaden-Württemberg testet smarte Stromnetz-Entlastung durch Haushalte
Neue Kampagne in Baden-Württemberg: Wie Haushalte das Stromnetz entlasten können
In Baden-Württemberg wird derzeit in einer neuen Initiative getestet, wie Haushalte durch angepassten Energieverbrauch die Belastung des Stromnetzes verringern können. Das im November 2024 gestartete Projekt PowerLändle ist eine gemeinsame Aktion des Übertragungsnetzbetreibers TransnetBW und des Energieanbieters Octopus Energy. Vorbild ist ein erfolgreiches britisches Modell, das allein im ersten Jahr mehr als zwei Gigawattstunden Stromnachfrage verschoben hat.
Das Herzstück der PowerLändle-Kampagne bildet die App StromGedacht, die Nutzer:innen über den aktuellen Zustand des Netzes informiert. Ein einfaches Ampelsystem zeigt an, wann das Netz stabil läuft (grün), wann viel Ökostrom verfügbar ist (Blautöne), wann die Versorgung knapp wird (orange) oder Engpässe drohen (rot). Bei hoher Belastung erhalten Teilnehmer:innen Push-Benachrichtigungen mit der Bitte, nicht dringenden Stromverbrauch – etwa das Waschmaschinenprogramm oder das Laden von Elektroautos – zu verschieben.
Im Januar 2025 reagierten rund 13.000 Nutzer:innen auf zwei Netzengpässe und verlagerten gemeinsam etwa 28,5 Megawattstunden Stromnachfrage. Als Anreiz gab es teilweise Rückerstattungen auf die Stromrechnung sowie die Teilnahme an einer Verlosung. Wie Werner Götz, Vorstandsvorsitzender von TransnetBW, betonte, können bereits kleine finanzielle Vergütungen pro Kilowattstunde Verbraucher:innen motivieren, die Netzstabilität zu unterstützen.
Allerdings verwies Götz auch auf eine anhaltende Herausforderung: die zögerliche Einführung intelligenter Stromzähler in Deutschland. Ohne flächendeckende Verbreitung bleibt das volle Potenzial dezentraler Flexibilität schwer zu erschließen. Die Kampagne knüpft an frühere Erfolge von Octopus Energy in Großbritannien an, wo dessen Demand Flexibility Service – mittlerweile ein fester Bestandteil des Energiemarktes – im ersten Jahr über zwei Millionen Menschen zum Anpassen ihres Verbrauchs bewegte.
Das PowerLändle-Pilotprojekt zeigt, wie Echtzeit-Kommunikation und moderate Anreize helfen können, die Stromnachfrage auszugleichen. Würden solche Systeme großflächig eingesetzt, ließen sich Spitzenbelastungen im Netz reduzieren. Derzeit prüft das Projekt weiterhin die Bereitschaft der Verbraucher:innen zur Anpassung – während eine breitere Umsetzung von Infrastruktur wie intelligenten Zählern abhängt.






