Biennale Venedig 2025: Jury-Rücktritt und Besucher-Löwen ersetzen Goldene Löwen
Franziska MentzelBiennale Venedig 2025: Jury-Rücktritt und Besucher-Löwen ersetzen Goldene Löwen
Die Biennale Venedig 2025 hat mit 100 Nationalpavillons und 111 Teilnehmenden unter dem Motto In Moll ihre Pforten geöffnet. Doch die diesjährige Ausgabe steht im Zeichen der Kontroverse: Die gesamte internationale Jury trat aus Protest zurück. Ihr Boykott richtete sich gegen Israel und Russland – beide Länder stehen wegen Vorwürfen von Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Verbindung mit ihren Regierungen in der Kritik.
Die Stiftung Biennale und die italienische Regierung lehnten den Boykott ab, doch die Folgen führten zur Verschiebung der Vergabe der Goldenen Löwen. Die Organisatoren führten daraufhin einen neuen, vom Publikum gewählten Preis ein: die Besucher-Löwen, die die traditionellen Jury-Auszeichnungen ersetzen sollen.
Der Streit eskalierte, als die fünfköpfige Jury ankündigte, die Pavillons Israels und Russlands nicht bewerten zu wollen. In einer Stellungnahme verwiesen die Jurymitglieder auf Vorwürfe von Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die gegen Führungspersönlichkeiten beider Staaten erhoben werden. Die Biennale-Stiftung und die italienische Regierung verurteilten diesen Schritt und betonten, die Veranstaltung müsse politisch neutral bleiben.
Kurz darauf traten alle Jurymitglieder zurück, woraufhin die Organisatoren die Verleihung der Goldenen Löwen verschieben mussten. Stattdessen wurde ein neues System eingeführt: die Besucher-Löwen, bei dem das Publikum über die besten Ausstellungen abstimmt. Diese Änderung markiert einen deutlichen Wandel in der Anerkennung künstlerischer Leistungen im Rahmen der Biennale.
Der russische Pavillon, kuratiert von Anastasiia Karneeva, zeigt die Installation Der Baum hat seine Wurzeln im Himmel. Israels Beitrag, Rose des Nichts betitelt, wurde von Michael Gov zusammen mit Avital Bar-Shay und Sorin Heller gestaltet. Beide Pavillons bleiben trotz der Boykottaufrufe geöffnet.
Portugal ist mit RedSkyFalls des Künstlers Alexandre Estrela im Palazzo Fondaco Marcello vertreten. Estrela positionierte sich öffentlich gegen die Teilnahme Russlands und Israels. Auch andere lusophone Länder wie Brasilien und Osttimor präsentieren in diesem Jahr ihre Arbeiten auf der Biennale.
Die Ausstellung läuft noch bis zum 22. November 2025. Die Organisatoren setzen nun auf die Einbindung des Publikums, um die Preisträger zu ermitteln. Der Wandel folgt wochenlangen Debatten über die Rolle der Politik in der Kunst und die Verantwortung kultureller Institutionen.
Trotz des Rücktritts der Jury und der Abschaffung der Goldenen Löwen geht die Biennale Venedig 2025 weiter. Die Besucher entscheiden nun über die Gewinner der neu eingeführten Besucher-Löwen. Die Veranstaltung bleibt eine globale Plattform für Künstlerinnen und Künstler – doch die Diskussionen über politischen Einfluss in kulturellen Räumen werden voraussichtlich anhalten.






