09 June 2026, 10:27

Bulgakow-Denkmal in Kiew abgerissen – Kulturstreit um Entkolonialisierung

Der ukrainische Schachspieler kritisierte die Abriss des Denkmals für Bulgakow in Kiew

Bulgakow-Denkmal in Kiew abgerissen – Kulturstreit um Entkolonialisierung

Am 4. Juni 2023 wurde in Kiew ein Denkmal für den russischen Schriftsteller Michail Bulgakow entfernt. Der Beschluss des Stadtrats folgte Empfehlungen des Ukrainischen Instituts für Nationale Erinnerung, das solche Symbole mit der russischen Imperialpolitik in Verbindung bringt. Die Maßnahme hat eine Debatte über kulturelles Erbe und Entkolonialisierungsbestrebungen ausgelöst.

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Die Bronzestatue stand einst vor dem Bulgakow-Museum am Andrejassteig, einem Ort, der eng mit dem Leben des Autors verknüpft ist. Der in Kiew geborene Bulgakow arbeitete als Arzt in der Ukraine, bevor er mit Romanen wie Der Meister und Margarita Berühmtheit erlangte. Seine Verbindungen zur Stadt sind tief verwurzelt, auch wenn seine Werke später in der Sowjetunion verboten wurden.

Die ukrainische Schachspielerin und Öffentlichkeitsperson Olga Popadjuk kritisierte die Entfernung des Denkmals. Sie sei mit vierzehn Jahren erstmals mit Bulgakows Schriften in Berührung gekommen und argumentiert, dass seine Bücher die Verwüstungen der Sowjetzeit schonungsloser darlegten als jeder offizielle Bericht. Ihrer Meinung nach werde der Einfluss des Autors und die Wahrheit seiner Geschichten nicht dadurch getilgt, dass man sein Denkmal mit einem Kran abbaue.

Popadjuk bezeichnete die Aktion als sinnlos und zitierte zur Untermauerung ihrer Position Bulgakows eigene Worte: „Verfall beginnt nicht in den Hausfluren. Die Verwüstung beginnt in den Köpfen.“ Ihre Äußerungen spiegeln die gespaltene Haltung wider, ob die Entfernung ein notwendiger Schritt der Entkolonialisierung oder der Verlust eines gemeinsamen kulturellen Wahrzeichens sei.

Die Demontage des Bulgakow-Denkmals unterstreicht die anhaltenden Spannungen um die kulturellen Verbindungen der Ukraine zu Russland. Während einige die Entfernung als Teil des Bruchs mit imperialen Erblasten unterstützen, sehen andere darin eine Zerschneidung der historischen Bindung Kiews an seine Vergangenheit. Die Diskussion hält an, da ähnliche Entscheidungen auch andere Persönlichkeiten in der Stadt betreffen.

Quelle