"Debritz": Ein Dorf am Abgrund zwischen Klimawandel und gesellschaftlicher Spaltung
Paulina Jüttner"Debritz": Ein Dorf am Abgrund zwischen Klimawandel und gesellschaftlicher Spaltung
„Debritz“: Ein neues Drama über Niedergang, Klimawandel und die Spaltung zwischen Stadt und Land
Am Badischen Staatstheater Karlsruhe hat das neue Drama Debritz von Kaleb Erdmann Premiere gefeiert. Das Stück erzählt vom Kampf eines fiktiven deutschen Dorfes, das dem wirtschaftlichen und sozialen Abstieg preisgegeben ist. Gleichzeitig wirft es einen scharfen Blick auf die wachsende Kluft zwischen Stadt und Land sowie die Folgen des Klimawandels in Deutschland.
Debritz war einst ein blühendes Salzbergbau-Dorf. Doch heute ist es eine öde, vom Klimawandel gezeichnete Geisterlandschaft: Missernten, weggebrochene Industrie und eine überalterte Bevölkerung, nachdem die meisten jungen Leute weggezogen sind.
Im Mittelpunkt der Handlung stehen Peggy, eine Zuckerrübenbäuerin, und ihr Freund Maik – die einzigen Figuren mit Tiefe. Um sie herum bewegt sich ein Ensemble aus Karikaturen: ein hilfloser Bürgermeister, verbitterte Fabrikarbeiter und eine wohlhabende Großstädterin, die sich von der trostlosen Atmosphäre des Dorfes angezogen fühlt. Für humorvolle Momente sorgt Barbarossa, eine messianische Figur im Stil des Kyffhäuser-Mythos, während Peggys Versuch, über Online-Dating dem Alltag zu entfliehen, eine kurze Abwechslung bietet.
Am Ende nimmt die Geschichte eine groteske Wendung: Peggy und Maik beschließen, das Dorf in die Luft zu jagen – ein düster-komischer Höhepunkt, der Debritz’ Schicksal besiegelt.
Erdmanns Stück hält der Realität strukturschwacher Regionen wie Debritz einen schonungslosen Spiegel vor. Gleichzeitig zeigt es die Auswirkungen des Klimawandels und die zunehmende Entfremdung zwischen urbanem und ländlichem Deutschland auf. Mit beißendem Spott und satirischer Schärfe bringt der Autor diese Themen auf die Bühne.
