Experten fordern: Natürliche Infrastruktur soll als kritisch anerkannt werden
Paulina JüttnerExperten fordern: Natürliche Infrastruktur soll als kritisch anerkannt werden
Ein Expertengremium, das die deutsche Bundesregierung berät, hat die rechtliche Anerkennung natürlicher Infrastruktur als kritische Infrastruktur gefordert. Der Wissenschaftliche Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) veröffentlichte am Freitag seinen Bericht und betonte darin die Notwendigkeit, Ökosysteme ebenso wie klassische Infrastruktur zu schützen.
Laut Bericht sollten natürliche Infrastruktur wie Seen, Wälder und Moore als kritisch eingestuft und entsprechend geschützt werden. Diese Ökosysteme wirken als Puffer gegen Hitzewellen, Pandemien und Extremereignisse und bilden die natürliche Grundlage für Leben und Zivilschutz.
Bisher umfasst kritische Infrastruktur vor allem sogenannte graue Infrastruktur wie Straßen, Schienen und Energienetze. Das Gremium empfiehlt, diesen Ansatz zu erweitern und natürliche Lebensräume einzubeziehen. Gefordert werden eine bundesweite Erfassung relevanter Ökosysteme sowie der Aufbau von Frühwarnsystemen, um schleichende Degradation frühzeitig zu erkennen.
Die Autor:innen unterstreichen zudem die Dringlichkeit des Umstiegs auf erneuerbare Energien wie Solar- und Windkraft. Als zentrale Gründe nennen sie wirtschaftliche Vorteile und gesundheitliche Effekte. Gleichzeitig warnt der Bericht davor, dass Kürzungen bei Klimaprojekten lokale Gemeinschaften durch den Verlust von Biodiversität und Ökosystemleistungen belasten – mit weitreichenden Folgen für die globale Sicherheit.
Um den Schutz zu stärken, rät der WBGU, Umweltrisikobewusstsein in die militärische Ausbildung zu integrieren. Zudem sollte der Nationale Sicherheitsrat den Schutz natürlicher Infrastruktur priorisieren. Als positives Beispiel für lokal geführte Ökosystemschutzmaßnahmen wird die Coral Triangle Initiative genannt; ähnliche Ansätze werden für die Entwicklungspolitik empfohlen.
Ziel der Empfehlungen ist es, Ökosysteme rechtlich als kritische Infrastruktur anzuerkennen, um sie besser zu schützen und in Zivilschutzstrategien einzubinden. Die Vorschläge des Gremiums sollen bestehende politische Lücken schließen und die Resilienz gegenüber Umweltbedrohungen erhöhen.
