07 May 2026, 12:38

Halberstadts jüdische Vergangenheit zwischen Zerstörung und unvollständiger Erinnerung

Luftaufnahme des Holocaust-Mahnmals für die ermordeten Juden Europas in Berlin, die zahlreiche weiße und blaue Betonsteine in einem Gittermuster zeigt.

Halberstadts jüdische Vergangenheit zwischen Zerstörung und unvollständiger Erinnerung

Halberstadts jüdische Gemeinde blühte im 19. Jahrhundert als Zentrum des Neo-Orthodoxen Judentums auf. Doch zur Zeit des Nationalsozialismus war sie zerstört, ihre Synagoge in den Novemberpogromen 1938 niedergebrannt. Jahrzehnte später bleibt die jüdische Geschichte der Stadt ein komplexes Erbe, eng verwoben mit den politischen Kämpfen und kulturellen Leistungen der DDR.

Die Zerstörung der Halberstädter Synagoge am 9. November 1938 markierte das gewaltsame Ende der jüdischen Gemeinde. Das Konzentrationslager Langenstein-Zwieberge in der Nähe wurde später zu einem Ort der Zwangsarbeit. Seine Tunnel dienten in den 1970er-Jahren als Militärdepot für die Nationalen Volksarmee der DDR.

1949 wurde auf dem Lagergelände ein Mahnmal für die Opfer enthüllt. Bis 1969 wurde es im Sinne des „proletarischen Internationalismus und sozialistischen Patriotismus“ als Bildungsstätte für Jugendliche umgestaltet. Doch trotz solcher Bemühungen hielt sich der Antisemitismus in subtileren Formen – selbst noch 2018, als der Verkauf der Halberstädter Rathauspassagen an jüdische Eigentümer Gerüchte über einen „Verrat“ schürte.

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Das Verhältnis der DDR zur jüdischen Kultur war widersprüchlich. Die niederländische Widerstandskämpferin Lin Jaldati zog 1952 nach Ost-Berlin und veröffentlichte drei Schallplatten, die immaterielles jüdisches Kulturgut bewahrten. Romane wie Jakob der Lügner von Jurek Becker oder Die Bilder des Zeugen Schattmann von Peter Edel wurden Teil des literarischen Erbes des Landes. Doch Philipp Grafs Verweigerte Erinnerung deckte später auf, wie die antifaschistische Politik der DDR ihr jüdisches Erbe nie vollständig aufarbeitete.

Schon 1949 und erneut 1989 gab es Instrumente, um sowohl rechtem als auch linksautoritärem Antisemitismus entgegenzutreten. Viele davon wurden vernachlässigt – die ungelösten Spannungen beschäftigen Historiker und Aktivisten bis heute.

Halberstadts Geschichte spiegelt die größeren Kämpfe um Erinnerung und Ideologie wider. Die Mahnmale der Stadt, ihre kulturellen Werke und politischen Fehltritte zeugen davon, was verloren ging – und was nie wirklich aufgearbeitet wurde. Dieses Erbe zu verstehen, bleibt entscheidend, um Antisemitismus in all seinen Formen zu bekämpfen.

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