31 May 2026, 12:27

Mehrfachbeschäftigung wird für Deutschlands Mittelschicht zum Überlebensmodell

Polyworking

Mehrfachbeschäftigung wird für Deutschlands Mittelschicht zum Überlebensmodell

Mehrere Jobs gleichzeitig – für Deutschlands Mittelschicht längst Alltag

Steigende Mieten, stagnierende Löhne und wirtschaftliche Unsicherheit zwingen immer mehr Menschen in Deutschland dazu, mehrere Tätigkeiten gleichzeitig auszuüben – ein Phänomen, das als Mehrfachbeschäftigung oder Polyjobbing zunehmend zur Normalität wird. In den letzten zehn Jahren haben sich die Mieten fast verdoppelt, allein in Berlin stiegen sie um 69 Prozent. Für viele ist selbst das Grundbedürfnis nach bezahlbarem Wohnraum kaum noch zu decken.

Eine Schriftstellerin aus Berlin etwa kommt mit einer einzigen Teilzeitstelle in einem Verlag nicht über die Runden. Nach einem Jahr, in dem sie zwei Minijobs und gelegentlich freiberufliche Projekte stemmte, arbeitet sie heute 50 bis 60 Stunden pro Woche. Schlafmangel ist zur Gewohnheit geworden, und sozialer Austausch findet meist nur noch über Sprachnachrichten oder hastige Treffen statt.

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Das Problem ist kein Einzelfall. Eine Umfrage des Instituts Academized aus dem Jahr 2025 zeigt: Jede zweite Person zwischen 26 und 41 Jahren übt mittlerweile mindestens einen Nebenjob aus. Gleichzeitig ist die Zahl der Teilzeitstellen in Großstädten seit 2020 um fast 69 Prozent gestiegen. Viele Vollzeitstellen zahlen so wenig, dass sie kaum die Lebenshaltungskosten decken, während die Renten für langfristige Sicherheit nicht ausreichen.

Hinzu kommt die wachsende Arbeitsplatzunsicherheit. Befristete Verträge sind weit verbreitet, und durch KI getriebene Entlassungswellen verstärken die Verunsicherung. Anfang 2026 erreichte die Arbeitslosigkeit unter jungen Akademikerinnen sogar einen Rekordwert – viele von ihnen rutschen in prekäre Beschäftigungsverhältnisse ab.

Der Trend zur Mehrfachbeschäftigung spiegelt tiefgreifende wirtschaftliche Belastungen wider. Angesichts explodierender Mieten und Löhne, die mit der Inflation nicht Schritt halten, sind viele gezwungen, mehrere Jobs anzunehmen, um über die Runden zu kommen. Für die Betroffenen sind die Folgen unausweichlich: lange Arbeitszeiten, Schlafentzug und ein schwindendes Sozialleben prägen ihren Alltag.

Quelle