17 March 2026, 00:44

Staatsbürgerschaft entzogen: Warum ein Stuttgarter Urteil für Debatten sorgt

Eine Gruppe von Menschen steht auf dem Dach eines Gebäudes, hält eine Fahne hoch, mit einem Baum links und Glasfenstern im Hintergrund, die scheinbar eine Demonstration für die deutsche Regierung unterstützen.

Staatsbürgerschaft entzogen: Warum ein Stuttgarter Urteil für Debatten sorgt

Ein Stuttgarter Gericht hat die Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft für den iranischen Staatsangehörigen Danial Bamdadi wegen seiner Verbindungen zur linksextremen Szene bestätigt. Das Urteil erging trotz einer prominenten Kampagne zu seiner Unterstützung, an der sich auch eine ehemalige Bundesministerin und über 150.000 Unterzeichner einer Petition beteiligten.

Bamdadi, Aktivist der Vereinigung zur Bewahrung der Demokratie, kündigte an, in Berufung zu gehen, und bezeichnete die Entscheidung als politisch motiviert.

Das Verwaltungsgericht Stuttgart begründete seine Ablehnung damit, dass Bamdadi sich nicht ausreichend von gewaltbereiten extremistischen Gruppen distanziere – trotz seines grundgesetzlich geschützten Rechts auf politisches Engagement. In seiner Akte finden sich ein Übergriff auf einen rechtsextremen Stadtrat im Jahr 2017 sowie die Teilnahme an einer Demonstration 2021 zur Unterstützung verurteilter Linksextremisten.

Die Entscheidung des Gerichts stieß auf Kritik von Gewerkschaften und linksgerichteten Gruppen. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und die marxistisch-leninistische Publikation Rote Fahne des gleichnamigen Parteiorgans solidarisierten sich mit Bamdadi, während die IG Metall dem Gericht "Schuld durch Assoziation" vorwarf. Die Gewerkschaft stellte zudem die Glaubwürdigkeit der Erkenntnisse des Bundesamts für Verfassungsschutz infrage.

Zu Bamdadis juristischem Team gehört nun auch die ehemalige Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin. Seine Petition verzeichnet mittlerweile über 150.000 Unterschriften. Unterstützer argumentieren, der Fall spiegle tiefgreifende gesellschaftliche Verschiebungen wider. Bamdadi selbst wirft dem Urteil vor, demokratisches Engagement unfair zu kriminalisieren und sich in eine zunehmende Rechtsentwicklung einzufügen.

Der Fall fällt in eine Phase stark gestiegener Ablehnungen von Einbürgerungsanträgen. 2025 lehnten die Behörden 10.616 Anträge ab – mehr als doppelt so viele wie die 5.124 im Jahr 2024 und über dreimal so viele wie die 3.139 im Jahr 2023. Zwar wurden 2024 mit 291.955 Personen so viele Menschen eingebürgert wie nie zuvor, doch die häufigsten Ablehnungsgründe nannte die Behörde nicht.

Bamdadi wird nun vor höheren Instanzen klagen und damit einen Rechtsstreit verlängern, der zum Symbol für die Debatte über politisches Engagement und Einbürgerungsregeln geworden ist. Das Ergebnis könnte Präzedenzwirkung für künftige Entscheidungen haben – insbesondere bei Antragstellern mit umstrittenem politischem Hintergrund.

Gleichzeitig deutet der Anstieg der Ablehnungen auf eine strengere Handhabung der Einbürgerungskriterien hin, auch wenn die Regierung bisher keine konkreten Kriterien für die Versagung genannt hat.

AKTUALISIERUNG

Hintergrund zum Aktivismus und den Verbindungen zur Gewerkschaft

Der Verein zur Bewahrung der Demokratie, den Bamdadi über sechs Jahre mitaufgebaut hat, wurde von IG Metall im Jahr 2021 gegründet, um Rechtsextremismus am Arbeitsplatz entgegenzuwirken. Wichtige Details sind:

  • Die Organisation schult Tausende Mitarbeiter bei Daimler und anderen Unternehmen, um rechtsextreme Ideologien zu erkennen und entgegenzuwirken.
  • IG Metall beschreibt Bamdadi als einen gewaltfreien Aktivisten, der demokratische Werte durch politische Bildung fördert.
  • Die Solidarität der Gewerkschaft mit ihm resultiert aus seiner Rolle bei der Schaffung dieses Anti-Extremismus-Netzwerks.