Weimarer Flaggenstreit: Wie Schwarz-Rot-Gold und Schwarz-Weiß-Rot Deutschland spalteten
Käte KitzmannWeimarer Flaggenstreit: Wie Schwarz-Rot-Gold und Schwarz-Weiß-Rot Deutschland spalteten
Die Wahl einer Nationalflagge hat oft tiefe Gräben aufgerissen – und das Weimarer Deutschland bildete dabei keine Ausnahme. Jahre lang rang das Land um seine offiziellen Farben, wobei sich die politischen Lager zwischen Schwarz-Weiß-Rot und Schwarz-Rot-Gold spalteten. Der Konflikt reichte sogar über die deutschen Grenzen hinaus und beeinflusste, wie Botschaften im Ausland die Flagge präsentierten.
Der Streit begann als Symbol für die politischen Spannungen der 1920er-Jahre. Rechtsgerichtete Gruppen drängten auf die Rückkehr zu den alten kaiserlichen Farben Schwarz-Weiß-Rot, während linke und bürgerliche Parteien konsequent zu Schwarz-Rot-Gold standen. Versuche, die Angelegenheit beizulegen, scheiterten – selbst die Bemühungen des „Reichskunstwartes“, der keinen Entwurf vorlegen konnte, der alle Seiten zufriedenstellte.
1926 griff Reichspräsident Paul von Hindenburg ein. Auf einen Vorschlag des parteilosen Reichskanzlers Hans Luther hin erließ er am 5. Mai die Zweite Flaggenverordnung. Der Schritt erfolgte, nachdem die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) die Wiedereinführung der kaiserlichen Farben gefordert hatte. Hindenburgs Dekret war kalkuliert: Es sollte die Linke und die Mitte dazu bringen, sich hinter Schwarz-Rot-Gold zu scharen, da er wusste, dass der Vorstoß der Rechten sie provozieren würde.
Die Verordnung selbst war ein Kompromiss. Sie bestimmte, dass deutsche diplomatische Vertretungen außerhalb Europas sowohl die Nationalflagge (Schwarz-Rot-Gold) als auch die Handelsflagge (Schwarz-Weiß-Rot mit den kaiserlichen Farben im Oberliek) hissen sollten. Doch der Konflikt schwelte bis 1933 weiter – trotz der Versuche der Nationalversammlung, die Gräben zu überbrücken. Deutschland war mit solchen Auseinandersetzungen nicht allein: Frankreich brauchte achtzig Jahre, um nach der Revolution endgültig seine Trikolore anzunehmen, und auch Kanadas rotes Ahornblatt stieß auf erbitterten Widerstand.
Bis zum Ende der Weimarer Republik blieb der Flaggenstreit ungelöst. Hindenburgs Verordnung hatte versucht, die widerstreitenden Forderungen in Einklang zu bringen, doch das Thema blieb ein Zankapfel der politischen Auseinandersetzungen. Selbst die diplomatischen Vertretungen im Ausland mussten zwei Flaggenvarianten zeigen – ein sichtbares Zeichen für die tiefen Spaltungen des Landes.






