Anna Netrebkos triumphale Rückkehr an die Berliner Staatsoper löst Jubel und Proteste aus
Paulina JüttnerAnna Netrebkos triumphale Rückkehr an die Berliner Staatsoper löst Jubel und Proteste aus
Premiere an der Berliner Staatsoper: Anna Netrebkos umjubelte Rückkehr in Un ballo in maschera
Die Berliner Staatsoper Unter den Linden hat eine mutige Neuinszenierung von Giuseppe Verdis Un ballo in maschera uraufgeführt. Die Produktion mit der Sopranistin Anna Netrebko in der Hauptrolle der Amelia sorgt sowohl für Begeisterung als auch für Kontroversen. Während vor dem Opernhaus Proteste laut wurden, feierte das Publikum im Inneren die Vorstellung mit begeistertem Applaus.
Am Premierenabend versammelten sich etwa 50 Demonstranten vor dem Gebäude und schwenkten ukrainische Flaggen. Rufe wie "Keine Bühne für Putin-Unterstützer" und "Russland ist ein Terrorstaat" prägten die Stimmung. Die Proteste spiegeln die anhaltende Kritik an Netrebko wider, die in der Vergangenheit mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Verbindung gebracht wurde – unter anderem durch ihre Teilnahme an einer Geburtstagsfeier im Kreml 2016.
Doch im Inneren der Oper herrschte eine völlig andere Atmosphäre: Netrebko erhielt für ihre Darstellung lang anhaltenden Beifall, ähnlich wie bei ihrem ausverkauften Nabucco im März 2026. Die Inszenierung unter der Regie von Rafael R. Villalobos verband queere Ballroom-Kultur mit Bezügen zur AIDS-Krise und fügte Verdis Werk aus dem 19. Jahrhundert so eine zeitgenössische Ebene hinzu.
Elisabeth Sobotka, Intendantin der Staatsoper, nahm zu den Kontroversen Stellung und verwies auf Netrebkos öffentliche Distanzierung von Russland. Die Sopranistin, die sowohl die russische als auch die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt, ist seit Beginn des Ukraine-Kriegs nicht mehr nach Russland zurückgekehrt. Trotz anhaltender Proteste stoßen ihre Auftritte in Berlin – sowohl früher als auch heute – beim Publikum durchgehend auf Bewunderung.
Die Premiere unterstrich auch die Leistungen des Orchesters und des Ensembles, die für ihre musikalische und darstellerische Leistung mit langem Applaus bedacht wurden. Netrebkos Rückkehr an die Staatsoper, Jahre nach ihrem letzten Auftritt, markiert einen Wandel in der öffentlichen Wahrnehmung: Zwar gibt es weiterhin kleinere Proteste, doch ihre künstlerische Präsenz dominiert die Bühne.
Un ballo in maschera bleibt Teil des Weihnachtsprogramms der Staatsoper. Netrebkos Darstellung, wenn auch für manche nach wie vor umstritten, festigt ihren Ruf als eine der führenden Persönlichkeiten der Opernwelt. Der Kontrast zwischen den Protesten draußen und dem Jubel drinnen zeigt, wie komplex die Rezeption von Künstlern mit Bezügen zu geopolitischen Konflikten sein kann.






