Christian Ulmen in Missbrauchsvorwürfen: Ex-Frau spricht von "virtueller Vergewaltigung"
Käte KitzmannChristian Ulmen in Missbrauchsvorwürfen: Ex-Frau spricht von "virtueller Vergewaltigung"
Schauspieler und Komiker Christian Ulmen sieht sich schweren Vorwürfen seiner Ex-Frau Collien Fernandes ausgesetzt. Sie wirft ihm vor, in ihrem Namen gefälschte Online-Profile erstellt, explizite Inhalte verbreitet und unter ihrer Identität Telefongespräche sexueller Natur geführt zu haben. Fernandes beschreibt diese Erfahrungen als "virtuelle Vergewaltigung" – eine Aussage, die eine breitere Debatte über Missbrauch und Verantwortung ausgelöst hat.
Ihre Schilderungen haben die Diskussionen über Ulmens frühere Verhaltensweisen neu entfacht, insbesondere seine umstrittenen TV-Auftritte in den mittleren 2000er-Jahren. Damals hinterfragten einige Zuschauer – darunter auch die Autorin eines aktuellen Kommentars – Fernandes' Beziehung zu ihm angesichts seiner öffentlichen Inszenierung als frauenfeindliche Figur.
Fernandes trat 2010 erstmals als Ulmens Partnerin in die Öffentlichkeit. Schon damals sorgte die Beziehung für Verwunderung – bei Kritikern wie bei Fans. Ulmen war vor allem durch seine Rolle in der ProSieben-Realityshow "Mein neuer Freund" bekannt, in der er wöchentlich einen anderen "schrecklichen Freund" spielte. Das Format bestand darin, Frauen mit erniedrigenden Verhaltensweisen an ihre Grenzen zu treiben, bis viele von ihnen aufgaben; wer durchhielt, erhielt am Ende Geld.
Eine seiner berüchtigtsten Figuren war Alexander von Eich, ein reicher, aristokratischer Snob, der seine Freundin mit einem Stock herumkommandierte. Der Ton der Show war geprägt von derben "Herausforderungen" wie "Wer will meine Freundin vögeln?" – ein Wettbewerb, bei dem Männer um die "heißeste" Partnerin buhlten. Der Humor lebte von Frauenverachtung und Provokation und hinterließ bei vielen Zuschauern ein unbehagliches Gefühl.
Fernandes wirft Ulmen nun vor, seine Fernsehrolle sei in sein reales Leben übergeschwappt. Sie behauptet, er habe wiederholt Grenzen überschritten und Frauen mit manipulativem und aufdringlichem Verhalten gezielt unter Druck gesetzt. Ihr Vorwurf der "virtuellen Vergewaltigung" bezieht sich auf die gefälschten Profile, die Verbreitung expliziter Inhalte und die Vortäuschung falscher Identitäten, die er ihr zufolge gegen sie eingesetzt habe.
Der Fall findet bei Missbrauchsopfern großen Widerhall und erinnert an das Motto der Aktivistin Gisèle Pelicot: "Die Scham muss die Seite wechseln." Fernandes' Geschichte steht nicht allein – sie spiegelt ein größeres Muster wider, in dem Männer Frauen verletzen, oft mit langfristigen Folgen. Öffentlich zugängliche Unterlagen belegen jedoch keine weiteren Vorwürfe gegen Ulmen wegen Belästigung oder Diskriminierung von Frauen jenseits der Aussagen Fernandes'.
Ihre Anschuldigungen zwingen zu einer Neubewertung von Ulmens früherem Werk und seinem öffentlichen Image. Die Autorin eines aktuellen Artikels gab mittlerweile zu, sich für ihr ursprüngliches Urteil über die Beziehung der beiden zu schämen. Gleichzeitig verdeutlicht der Fall eine beunruhigende Realität: Zu viele Frauen erleben ähnliche Übergriffe – und werden dabei oft ignoriert oder nicht ernst genommen.
Bisher wurden keine rechtlichen oder beruflichen Konsequenzen für Ulmen bekannt gegeben. Die Debatte über Verantwortung, Einverständnis und die Grenze zwischen Inszenierung und tatsächlichem Schaden hält jedoch an.






