Digitale Gesundheitsversorgung scheitert an mangelnder Akzeptanz und Infrastruktur
Paulina JüttnerDigitale Gesundheitsversorgung scheitert an mangelnder Akzeptanz und Infrastruktur
Deutschlands Vorstoß für digitale Gesundheitsversorgung scheitert weiter an Hindernissen – besonders im ländlichen Raum
Obwohl Updates zur elektronischen Patientenakte (ePA) die technische Stabilität verbessert haben, bleibt die Nutzung gering: Nur 5 bis 10 Prozent der medizinischen Fachkräfte arbeiten damit. Private Krankenversicherer und Ärzte fordern nun bessere Infrastruktur, klarere Vorteile und strengeren Datenschutz, um voranzukommen.
Die elektronische Patientenakte (ePA) wurde 2021 eingeführt, um den Austausch medizinischer Daten zu vereinfachen. Seitdem haben Aktualisierungen der gematik die Zuverlässigkeit des Systems schrittweise gestärkt – vor allem in ländlichen Regionen. Doch die Nutzung bleibt bundesweit bei lediglich 5 bis 10 Prozent, mit noch weniger Hausärzten auf dem Land, die mitmachen. Connectivity-Probleme und mangelnde Schulungsangebote bremsen die Entwicklung weiter aus. Prognosen deuten nicht darauf hin, dass bis 2026 eine flächendeckende Nutzung in ländlichen Gebieten erreicht wird.
Ärzte kritisieren die ePA seit Langem wegen unzureichendem Datenschutz und übermäßigem Verwaltungsaufwand. Viele halten das System für schlecht ausgereift: Es biete kaum praktischen Nutzen, erhöhe aber die Haftungsrisiken. Auf dem Land verschärfen sich die Probleme durch lückenhafte Breitbandversorgung und eingeschränkte Mobilität, was die Einführung digitaler Tools zusätzlich erschwert.
Der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV) betont, dass die Digitalisierung für die Zukunft der medizinischen Versorgung unverzichtbar sei. Gefordert werden stabile, interoperable Plattformen, die allen Versicherten zugänglich sind. Der PKV setzt sich zudem für digitale Lösungen ein, um den Praxisalltag zu entlasten – etwa durch Online-Erstbewertungen oder verbesserte Terminvergabe. Für den Erfolg seien jedoch schnellere Umsetzung, höhere Systemzuverlässigkeit und mehr Wettbewerb unter den Anbietern nötig.
Ohne breitere Akzeptanz bleibt das Potenzial der ePA ungenutzt. Besonders ländliche Regionen brauchen besseres Internet und zielgerichtete Schulungen, um den Rückstand aufzuhalten. Der Erfolg der digitalen Gesundheitsversorgung hängt nun davon ab, technische Mängel zu beheben, bürokratische Hürden abzubauen und allen Beteiligten spürbare Vorteile zu bieten.
Neue Daten enthüllen gemischten Fortschritt bei der ePA-Adoption
Neue Zahlen vom Januar 2026 zeigen wachsende Interaktion mit den elektronischen Patientenakten in Deutschland. Wichtige Entwicklungen sind:
- 900.000 TK-Nutzer, die aktiv auf ePA zugreifen, im Vergleich zu 560.000 Logins im Dezember 2025.
- Nearly 25 Millionen Medikationslisten werden wöchentlich von medizinischen Institutionen abgerufen, was auf eine hohe institutionelle Nutzung hinweist.
- 85% der Arztpraxen haben auf ePA-Aufzeichnungen zugegriffen, obwohl die aktive Berufsadoption unter 10% bleibt.






