Hilfsorganisationen warnen vor Politisierung der Entwicklungshilfe und fordern radikale Reformen
Alida ZänkerHilfsorganisationen warnen vor Politisierung der Entwicklungshilfe und fordern radikale Reformen
Zwei große deutsche Hilfsorganisationen warnen, dass die zunehmende Politisierung der Entwicklungshilfe ihre grundlegenden Prinzipien untergräbt. Welthungerhilfe und Terre des Hommes haben in einem gemeinsamen Bericht die Risiken für eine bedarfsorientierte, neutrale und unabhängige Hilfe aufgezeigt. Ihre jährliche Bestandsaufnahme wurde am Mittwoch in Berlin von ihren Generalsekretären, Mathias Mogge und Joshua Hofert, vorgestellt.
Mogge und Hofert begrüßten die Pläne der Regierung zur Reform der Entwicklungspolitik grundsätzlich. Gleichzeitig kritisierten sie das Fehlen einer kohärenten Strategie in den aktuellen Vorschlägen. Die Nichtregierungsorganisationen forderten, dass das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) die Zivilgesellschaft – sowohl in Deutschland als auch in den Partnerländern – in die Gestaltung der Veränderungen einbeziehen müsse.
Joshua Hofert betonte, dass die Reform kein von Berlin aus gesteuerter Top-down-Prozess sein dürfe. Er forderte eine frühzeitige und verbindliche Einbindung der Partnerländer, der lokalen Zivilgesellschaft und junger Menschen. Mogge ergänzte, dass der Fokus von der Quantität auf die Qualität verlagert werden müsse, Bürokratie abgebaut und zivilgesellschaftlichen Organisationen mehr Autonomie eingeräumt werden solle.
Die Organisationen wiesen zudem auf den wachsenden Druck hin, dem die Entwicklungspolitik durch Krisen, Kriege und den Klimawandel ausgesetzt ist. Sie riefen die Bundesregierung auf, die Spannung zwischen eigenen Interessen und denen der Partnerländer zu überwinden. Mogge unterstrich die Notwendigkeit höherer Investitionen in Prävention statt nur in Krisenbewältigung und forderte, die Mittel für humanitäre Hilfe im nächsten Haushalt von einer auf 2,8 Milliarden Euro zu erhöhen.
Die Hilfsorganisationen bestehen auf einen inklusiveren und strategischeren Reformansatz. Sie verlangen mehr Mittel für präventive Maßnahmen und ein klares Bekenntnis zu den Kernprinzipien der humanitären Hilfe. In ihrem Bericht fordern sie dringendes Handeln, um die Wirksamkeit und Unparteilichkeit der Hilfe zu sichern.
