10 June 2026, 16:36

Kulturstreit um Nadav Lapid spaltet die internationale Filmszene

Natalie Portman, Justine Triet und Jacques Audiard verteidigen den israelischen Regisseur Nadav Lapid: 'Der kulturelle Boykott ist ein intellektuelles Versagen'

Kulturstreit um Nadav Lapid spaltet die internationale Filmszene

Ein wachsender Streit hat die Filmbranche erfasst – Auslöser ist die Behandlung des israelischen Regisseurs Nadav Lapid. Über 350 prominente Persönlichkeiten, darunter Natalie Portman und Justine Triet, haben einen offenen Brief unterzeichnet, in dem sie seinen kulturellen Boykott verurteilen. Im Mittelpunkt der Kontroverse steht seine geplante Rolle als Jurymitglied beim FID Marseille, die dazu führte, dass mehrere Filmemacher ihre Werke zurückzogen.

Lapid sollte eigentlich der Jury des internationalen Filmfestivals FID Marseille angehören. Seine Beteiligung löste jedoch Proteste aus, woraufhin rund zehn Filmemacher ihre Filme aus dem Programm nahmen. Schließlich zog sich Lapid vollständig von der Veranstaltung zurück.

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Kritiker wiesen darauf hin, dass sein für 2025 geplanter Film Yes teilweise vom Israel Film Fund finanziert wird. Variety beschrieb das Werk als scharfe Abrechnung mit dem israelischen Nationalismus. Lapid, ein offener Gegner der Regierung von Benjamin Netanyahu, lebt seit 2021 in selbstgewähltem Exil in Frankreich.

Als Reaktion veröffentlichte Le Monde zwei Stellungnahmen zu seiner Verteidigung. Eine, unterzeichnet von führenden Branchenvertretern, argumentierte, dass ein Boykott gegen Lapid kontraproduktiv sei. Eine zweite mit dem Titel Kino ist keine Botschaft verurteilte die „Einschüchterungskampagne“ gegen ihn und hinterfragte die Begründung des Boykotts.

Die franco-algerische Regisseurin Narimane Mari, die ihren Film zurückzog, wies Vorwürfe der Zensur zurück. Lapid selbst äußerte sich frustriert über den wachsenden Druck und warnte vor einer weiteren einschüchternden Wirkung auf Kultureinrichtungen.

Der offene Brief betont, dass Lapids Rückzug als Warnsignal verstanden werden sollte. Er plädiert dafür, dass Dialog statt Ausgrenzung der bessere Weg sei. Die Debatte offenbart tiefe Gräben über politischen Einfluss in der Kunst und die Grenzen des Protests.

Quelle