Neuer Roman bringt den Völkermord an den Armeniern in deutsche Schulen
Franziska MentzelNeuer Roman bringt den Völkermord an den Armeniern in deutsche Schulen
Ein neu erschienener Roman soll den Völkermord an den Armeniern in deutsche Klassenzimmer bringen."Auf der Straße tragen wir andere Namen" von Laura Cwiertnia wurde im März vom Reclam Verlag als Pflichtlektüre für Schulen veröffentlicht. Das Buch setzt sich mit den Themen Völkermord, Überleben und Diskriminierung auseinander – Aspekte, die im Unterricht trotz ihrer historischen Bedeutung oft ausgeklammert werden.
Der Völkermord an den Armeniern begann 1915 unter dem Osmanischen Reich. Rund 1,5 Millionen Armenier wurden systematisch ermordet – eines der dunkelsten Kapitel des 20. Jahrhunderts. In diesem Jahr jährt sich der Beginn der Gräueltaten zum 111. Mal.
2016 erkannte der Deutsche Bundestag den Völkermord offiziell an und forderte in einer Resolution seine Aufnahme in die Lehrpläne. Doch trotz dieses Beschlusses wird das Thema in vielen Schulen weiterhin kaum behandelt. Lehrer nennen überfüllte Lehrpläne, Zeitmangel und fehlende geeignete Materialien als häufige Hürden.
Deutschlands eigene Verstrickung in den Völkermord fügt dem Thema eine weitere Dimension hinzu. Historische Quellen belegen eine Mitverantwortung, was die Auseinandersetzung für deutsche Schüler besonders relevant macht. Die Literaturwissenschaftlerin Swantje Ehlers, die Cwiertnias Roman mit einem Kommentar begleitet, argumentiert, dass Literatur hier eine Brücke schlagen kann. Indem das Buch die Schüler emotional anspricht, ermöglicht es eine Annäherung an diese schwierige Geschichte, ohne sie zu überfordern.
Die Veröffentlichung des Romans als Pflichtlektüre ist ein Schritt zur Umsetzung der Bundestagsresolution von 2016. Schulen haben nun ein Werk an der Hand, um den Völkermord an den Armeniern strukturiert zu behandeln. Ob dies zu einer breiteren Reform der Lehrpläne führen wird, bleibt abzuwarten.






