24 April 2026, 04:27

Tübingen setzt auf Tochterfirmen für schnellen Ausbau der E-Ladeinfrastruktur

Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt, Deutschland, ein gro├čes Geb├Ąude mit vielen Fenstern, umgeben von Stra├čeninfrastruktur, Fahrzeugen, Vegetation und einem bew├Âlktem Himmel.

Tübingen setzt auf Tochterfirmen für schnellen Ausbau der E-Ladeinfrastruktur

Stadtwerke Tübingen gründet zwei neue Tochterunternehmen für Ausbau der E-Mobilität

Die Stadtwerke Tübingen haben zwei neue Tochtergesellschaften ins Leben gerufen, um ihr Angebot im wachsenden Markt für Elektrofahrzeuge auszubauen. Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund des Energiewirtschaftsgesetzes, das Netzbetreiber daran hindert, öffentlich zugängliche Ladesäulen direkt zu betreiben. Das Unternehmen will damit die Nachfrage nach einer besseren Ladeinfrastruktur bedienen und gleichzeitig rechtliche sowie wirtschaftliche Herausforderungen meistern.

Die neu gegründeten Ecowerk und Ecowerk e-charge konzentrieren sich auf den Aufbau und Betrieb von Ladenetzen und bieten maßgeschneiderte Lösungen für Unternehmen, Wohnimmobilien und den öffentlichen Raum an. Die Gründung beider Gesellschaften ist eine Reaktion auf die Notwendigkeit größerer Flexibilität bei der Erschließung neuer Märkte. Nach deutschem Recht dürfen Energieversorger wie die Stadtwerke Tübingen zwar Ladeinfrastruktur für den privaten Gebrauch betreiben, nicht jedoch öffentliche Ladestationen besitzen oder verwalten. Über Tochterunternehmen lassen sich diese Einschränkungen jedoch umgehen – sie können wie private Unternehmen am Markt agieren und konkurrieren.

Ecowerk e-charge plant den Aufbau eines dichten Netzes an Ladestationen im Tübinger Stadtgebiet, in den Konzessionsgebieten des Unternehmens sowie in umliegenden Gemeinden. Das Unternehmen wird eigene Tarifmodelle einführen, Ladelösungen für Firmenflotten anbieten und Systeme für Wohnimmobilien entwickeln. Zudem übernimmt es Abrechnungsdienstleistungen für andere Ladeanbieter.

Parallel dazu wurde in Zweibrücken im Januar 2025 die Ladestationen Südwest GmbH & Co. KG (LSG) gegründet. Das Unternehmen tritt als Charge-Point-Operator (CPO) auf und finanziert seine Aktivitäten über Ladegebühren sowie Roaming-Partnerschaften. Mit bereits über 300 errichteten Ladestationen verweist LSG auf die anhaltenden Hürden bei der Verbreitung von Elektrofahrzeugen. Sophie-Charlotte Knecht, geschäftsführende Gesellschafterin von LSG, nennt vor allem Bedenken der Verbraucher hinsichtlich Reichweite, hoher Anschaffungskosten und unzureichender Ladeinfrastruktur als zentrale Hindernisse.

Ortwin Wiebecke, Geschäftsführer der Stadtwerke Tübingen, betont, dass Elektrofahrzeuge über ihre gesamte Lebensdauer bereits heute kostengünstiger sein können als Benziner oder Diesel. Die neuen Tochtergesellschaften hätten nun mehr Spielraum, um Gewinne zu reinvestieren, Partnerschaften einzugehen und sich schneller an Marktentwicklungen anzupassen. Zudem könnten sie Beteiligungen an anderen Unternehmen erwerben, Joint Ventures eingehen und eigenständig Marken aufbauen – Möglichkeiten, die klassischen kommunalen Versorgern oft verwehrt bleiben.

Die Gründung von Ecowerk und Ecowerk e-charge markiert einen strategischen Kurswechsel der Stadtwerke Tübingen im Bereich der Elektromobilität. Durch den Einsatz von Tochtergesellschaften kann das Unternehmen die Ladeinfrastruktur ausbauen, ohne gegen rechtliche Vorgaben zu verstoßen. Der Schritt spiegelt zudem die bundesweiten Bestrebungen vieler Versorger wider, den Umstieg auf elektrische Antriebe zu beschleunigen.

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Für Verbraucher könnte die Expansion mehr zugängliche Lademöglichkeiten, flexiblere Tarife und eine schnellere Verbreitung von Elektrofahrzeugen bedeuten. Der Erfolg dieser Vorhaben hängt jedoch davon ab, ob es gelingt, die verbleibenden Herausforderungen – von Kostenfragen bis zu Infrastrukturlücken – zu überwinden.

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