"Worüber Jüdinnen und Juden sprechen": Ein Buch gibt seltenen Einblick in Alltagsgespräche
Franziska Mentzel"Worüber Jüdinnen und Juden sprechen": Ein Buch gibt seltenen Einblick in Alltagsgespräche
Ein neues Buch mit dem Titel "Worüber Jüdinnen und Juden sprechen: Zehn Gespräche aus Deutschland" bietet einen seltenen Einblick in das jüdische Leben im Land. Verfasst von Joshua Schultheis und Mascha Malburg, versammelt es Interviews mit acht Jüdinnen und Juden aus unterschiedlichen Hintergründen. Die Autoren möchten den Blick weg von den üblichen öffentlichen Themen lenken – die sich oft auf die Erinnerung an den Holocaust oder den Nahostkonflikt beschränken – und stattdessen Alltagsgespräche innerhalb der Gemeinschaft in den Vordergrund stellen.
Die im Buch geführten Diskussionen werden von Dinah Riese moderiert, der Leiterin der Inlandsredaktion der "Jüdischen Allgemeinen", wo Schultheis als politischer Redakteur tätig ist. Malburg, die Politikwissenschaft und Soziologie studierte, setzte sich in ihrer Abschlussarbeit mit Hannah Arendts Revolutionstheorie auseinander. Gemeinsam brachten sie Stimmen aus der Ukraine, Russland, Deutschland, New York und Tel Aviv zusammen – Menschen, die heute alle in Berlin leben.
Die Interviewten repräsentieren ein breites Spektrum jüdischer Identitäten: unter ihnen aschkenasische und sephardisch-mizrachische Jüdinnen und Juden, queere Personen sowie Menschen mit väterlicherseits jüdischer Abstammung. Allerdings wurde die eher schmale Auswahl der Teilnehmenden kritisiert, da sie die vielfältige Realität jüdischen Lebens in Deutschland nicht vollständig abbildet.
Erschienen im Hentrich & Hentrich Verlag, argumentiert das Werk, dass ein Verständnis jüdischer Anliegen vor allem eines erfordert: den eigenen Gesprächen der Gemeinschaft zuzuhören, statt sich auf externe Erzählungen zu verlassen. Die Autorinnen und Autoren betonen, wie Jüdinnen und Juden in Deutschland oft nur in bestimmten Momenten öffentliche Aufmerksamkeit erhalten – etwa bei nationalen Holocaust-Gedenkveranstaltungen oder Eskalationen im Nahen Osten.
Das Buch gibt Stimmen Raum, die in der öffentlichen Debatte selten gehört werden. Indem es persönliche Gespräche in den Mittelpunkt stellt, hinterfragt es die eingespielten Darstellungen jüdischen Lebens in Deutschland. Die Autorinnen und Autoren schlagen vor, dass eine breitere Wahrnehmung dieser Perspektiven das öffentliche Verständnis für die Erfahrungen der Gemeinschaft neu prägen könnte.






