19 April 2026, 20:30

Zoff um Apotheken-Impfungen: Ärzte und Apotheker liefern sich Wortgefecht über Gesundheitsreform

Ein Arzt in einem weißen Kittel gibt einem Patienten auf einer weißen Fläche eine Injektion.

Zoff um Apotheken-Impfungen: Ärzte und Apotheker liefern sich Wortgefecht über Gesundheitsreform

Ein erbitterter Streit ist zwischen deutschen Apothekern und Ärztevertretern über das geplante Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) entbrannt. Das Gesetz soll Impfungen in Apotheken ausweiten – doch der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (KBV) lehnt dies vehement ab und wirft den Apothekern eine unnötige Ausweitung medizinischer Leistungen durch nicht-ärztliches Personal vor.

Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung stehen KBV-Chef Dr. Andreas Gassen und die Apothekerin Marietheres Reher-Gremme, die sich in scharfen Worten über Finanzprioritäten und die Rollenverteilung im Gesundheitswesen gestritten haben. Auslöser war Gassens Vorwurf an das Bundesgesundheitsministerium (BMG), es vernachlässige die Krankenhausbudgets, während es gleichzeitig eine Milliarde Euro zusätzlich für Apothekenabgabepauschalen bereitstelle. Die Arztpraxen würden bei der Mittelvergabe systematisch übergangen, so Gassen.

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Reher-Gremme konterte, seine Äußerungen seien "unwissend und arrogant". Sie verteidigte die Fachkompetenz der Apotheker und verwies darauf, dass Pharmakologie und klinische Pharmazie zentrale Bestandteile ihrer Ausbildung seien. Gerade ihre Arbeit trage dazu bei, unerwünschte Arzneimittelwirkungen und Wechselwirkungen in Kliniken zu reduzieren.

Gassen warnte zudem, eine Ausweitung der Impfungen in Apotheken führe zu "undifferenzierten Tests durch medizinische Laien" – ein Risiko für die evidenzbasierte Versorgung, so der KBV. Reher-Gremme entgegnete mit Verweis auf die erfolgreiche Impfpraxis während der Pandemie: Apotheken hätten ohne Zwischenfälle Grippe- und COVID-19-Impfstoffe verimpft.

Auch Bedenken wegen eines erhöhten Antibiotika-Missbrauchs, falls Apotheken diese ohne Rezept abgeben dürften, wies sie zurück. Apotheker gingen verantwortungsvoll mit solchen Medikamenten um, betonte sie. Statt Konflikte zu schüren, plädierte Reher-Gremme für eine engere Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Apothekern, um ein "zukunftsfähiges, widerstandsfähiges Gesundheitssystem" aufzubauen – geprägt von gegenseitigem Respekt und offenem Dialog.

Ihr Appell zielt auf ein Miteinander, in dem beide Berufsgruppen ihre Expertise sinnvoll einbringen. Doch der Streit offenbart tiefe Gräben über die Rolle der Apotheken im deutschen Gesundheitswesen: Während Apotheker mehr Anerkennung und erweiterte Aufgaben fordern, warnen Ärzte vor möglichen Risiken für die Patientensicherheit. Wie der Konflikt ausgeht, könnte maßgeblich beeinflussen, wie Impfungen und andere Behandlungen künftig organisiert werden.

Quelle