Kölner Karneval bringt mittelalterliche Tore zum Leben – wie Tradition und Festkultur verschmelzen
Alida ZänkerKölner Karneval bringt mittelalterliche Tore zum Leben – wie Tradition und Festkultur verschmelzen
Kölner mittelalterliche Stadtmauern und Tore erleben durch den Karneval ein neues Leben
Mehrere historische Türme und Stadttore, einst Teil der Kölner Stadtbefestigung, dienen heute als Treffpunkte für bekannte Karnevalsvereine. Diese Gesellschaften haben die Bauwerke restauriert und erhalten – eine gelungene Verbindung aus jahrhundertealter Architektur und lebendiger Festkultur.
Sieben der noch erhaltenen mittelalterlichen Tore und Türme Kölns werden derzeit von Karnevalsgruppen auf Basis erblicher Nutzungsrechte genutzt. Zu den bekanntesten zählen das Hahnentor, die Eigelsteintorburg und das Sulztor. Das Hahnentor, eines von nur noch vier verbliebenen Stadttoren, beherbergt die Kölner EhrenGarde, ein 1902 gegründetes Korps, das sich auf Karnevalsumzüge, Tänze und Reitervorführungen spezialisiert hat. Die Gruppe sieht sich als offizielle Eskorte für den Bauer und das Jungfrauenpaar – zwei zentrale Figuren des Kölner Karnevals.
Nur eine kurze Straßenbahnfahrt vom Hahnentor entfernt trifft sich die Gesellschaft der Blauen Funken in einem weiteren Abschnitt der mittelalterlichen Stadtmauer. Der Verein spaltete sich 1870 von den Roten Funken ab, nachdem er – erfolgreich – die Führung im Rosenmontagszug, dem Höhepunkt des Kölner Karnevalsumzugs, für sich beansprucht hatte. Ihr Turm steht nur wenige Meter von der Ulrepforte entfernt, dem Stammsitz der Roten Funken.
Die Roten Funken haben ihren Sitz in der Ulrepforte, einem mittelalterlichen Turm mit eigenem Festsaal. Die Gruppe führt ihre Wurzeln auf die städtischen Soldaten des 17. bis 19. Jahrhunderts zurück und ist für ihre Parodietänze während der Karnevalssitzungen bekannt. Vor ihrem Vereinslokal wacht eine lebensgroße Bronzefigur eines Funkens – eine skurrile Attraktion, die über die Website der Gesellschaft sogar "mit Besuchern spricht".
Ein weiterer wichtiger Akteur der Karnevalsszene ist die Prinzen-Garde Köln 1906, liebevoll "Mählsäck" (Mehlsäcke) genannt. Sie fungiert als Eskorte für den Prinzen, die dritte zentrale Figur des Kölner Karnevals. Gemeinsam mit der EhrenGarde sowie den Roten und Blauen Funken bilden sie eine Tradition, die das mittelalterliche Erbe der Stadt durch feiernde Lebendigkeit bewahrt.
Dass die Kölner Karnevalsvereine die mittelalterlichen Mauern erhalten, sichert nicht nur den Fortbestand dieser Bauwerke, sondern hält sie auch in aktiver Nutzung. Indem Gruppen wie die am Hahnentor oder der Ulrepforte die Geschichte mit den heutigen Festlichkeiten verbinden, werden die Gebäude zu lebendigen Zentren einer der berühmtesten Karnevalstraditionen Deutschlands – und bleiben zugleich historische Wahrzeichen.